Interview: Mitarbeiterin packt aus …

Es gab in den letzten Wochen einige Diskussionen um einen Laden, der unter anderem Hunde, Katzen und viele Exoten verkauft. Doch was sagen ehemalige Mitarbeiter dazu und wie sieht es hinter den Kulissen aus? Ich habe mit einer Mitarbeiterin gesprochen und war schockiert, denn solche Verhältnisse finde ich unfair für Mensch und Tier. Als ich mit der Frau sprach, dachte ich, sie beschreibt mir Arbeitsbedingungen aus einem anderen Jahrhundert! Mir war ja klar, dass es in diesem Laden nicht gut zugeht, aber mit solch schlechten Bedingungen habe ich nicht gerechnet.

Wie sind die Arbeitsbedingungen in einer der größten Tierhandlungen der Welt?

Die Arbeitsbedingungen waren miserabel. Es gab immer nur Verträge für ein halbes Jahr und dann musste man abwarten, ob der Vertrag verlängert wurde oder nicht. Vor meiner zweiten Verlängerung wurde mir gesagt, ich solle den Vertrag zur Verlängerung mitbringen. Aber es gab dann keine Verlängerung, sondern einen Rausschmiss.
An verkaufsoffenen Sonntagen musste jeder Mitarbeiter anwesend sein. War dies nicht der Fall, wurde man fristlos gekündigt.
Es gab sogar mehrere Fälle, bei denen ältere, fest angestellte Mitarbeiter einfach gekündigt wurden. Diese Fälle gingen vor das Arbeitsgericht und die Geschädigten bekamen lächerlich geringe Abfindungen.
Generell wurde die Belegschaft regelmäßig erneuert. Es arbeiten dort nicht mehr viele Personen, die ich kenne. Als Vollzeitkraft habe ich 900 € (Netto) verdient, was für die körperlich sehr anstrengende Arbeit sehr wenig ist. In unserer Abteilung gab es nur Frauen und wir mussten die 15 Kilo schweren Futtersäcke, das Katzenstreu usw. alleine tragen.

Wie sind dort die Bedingungen für die Tiere?

Die Bedingungen für die Tiere sind sehr schlecht. Zu meiner Zeit gab es noch keine Hunde, aber Katzen. Und auch wenn immer gesagt wird, dass die Katzen oft beschäftigt werden und ständig Mitarbeiter bei Ihnen sind, kann ich dies nicht bestätigen. Einmal am Tag ging jemand zu den Katzen, um sie etwas zu Beschäftigen und um die Toiletten sauber zu machen. Ansonsten gab es nur Kontakt, wenn Interessenten da waren.
Es gab teilweise katastrophale Zustände bei den Katzen: Voll mit Giardien (hochansteckende Einzeller) wurden sie teilweise wochenlang in Quarantäne gehalten und, nach meinem jetzigen Wissensstand, total falsch behandelt. Teilweise wurden sie auch einfach mit Durchfall und Giardien verkauft, weil man diesen Krankheiten nicht Herr wurde.
In meiner Zeit gab es sogar einen Fall von Inzucht, da zwei Geschwistertiere solange nicht verkauft wurden bis sie alt genug waren um sich zu paaren.

Woher kommen die Tiere?

Die Katzen sollen »Rassekatzen« von »Hobbyzüchtern« sein und bei den EKH (europäisch Kurzhaar) von Privatpersonen mit Unfallwürfen, also ungewollte Vermehrung …

Wie sieht die Versorgung vom Tierarzt aus?

Wir hatten zwei Tierärztinnen, beide arbeiten mittlerweile nicht mehr dort. Sie haben versucht, die Tiere so gut wie möglich zu versorgen, aber die Masse an Tieren macht eine seriöse Behandlung fast unmöglich. Die Verkaufsuntersuchungen waren total lächerlich, aber bei den Kunden hat es  natürlich einen guten Eindruck gemacht und es sah nach außen hin professionell aus.

Dort werden auch Exoten verkauft, achtet man bei den Exoten auf kompetente Halter ?

Leider kann ich dazu keine Auskunft geben. Meine Abteilung war eine andere und es wurde darauf geachtet, dass man schön in seiner Abteilung bleibt. Allerdings sind die Preise so hoch, dass die meisten Kunden vom Kauf eines Exoten Abstand gehalten haben. Es wurde dann lieber etwas Günstigeres mitgenommen.

Wie oft haben sie einen Kunden abgelehnt, weil er sein neues Haustier nicht richtig halten würde?

Es ging immer nur um den Umsatz. Auch wenn man sich den Mund fusselig geredet hatte, dass Wellensittiche Schwarmvögel sind, wurden sie auch einzeln verkauft. Bei Katzen das Selbe. Hauptsache Verkaufen. Und am besten zum Kitten noch eine komplette Startausrüstung dazu.
Das Problem waren auch die teilweise inkompetenten Mitarbeiter. Durch den ständigen Personalwechsel gab es nicht mehr viele, die Ahnung hatten.
Ich habe das selber erleben dürfen: Meine angeblich weibliche Vogelspinne hat sich später als Männchen herausgestellt. Wenn man in der Terraristik arbeitet, sollte man das schon erkennen können. Ich habe ja auch keine Katze als Kater verkauft. 😕 Dies merkt man auch bei den Kornnattern, es werden Farben angeboten, welche gar nicht existieren. Bei sowas kann ich nur den Kopf schütteln – sowas nennt sich dann Fachmarkt.

Ich hoffe ich konnte euch so einen Einblick in einen Laden geben, der stolz darauf ist, im Jahre 2017 Hunde, Katzen, Affen und vieles mehr zu verkaufen.
Ich habe aus rechtlichen Gründen, sämtliche Namen des Ladens und des Betreibers entfernt. Der Name der ehemaligen Mitarbeiterin ist mir bekannt, wird aber natürlich sowohl aus rechtlichen Gründen als auch zu ihrem Schutz hier nicht genannt.
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17 thoughts on “Interview: Mitarbeiterin packt aus …

  1. Ich frage mich nach wie vor mit wieviel Schmiergelder gezahlt werden muessen um das Vet Amt der Region ruhig zu halten ……es ist unverständlich wie in Deutschland in Sachen Tierschutz gearbeitet wird….und selbst Tierärzte….die etwas tun könnten verlassen wortlos das Feld….Shit happens – oder was?

    1. Stimmt, Schmiergelder sind da mit Sicherheit extrem hoch, denn zu meiner Zeit war das Scheinegehege viel zu klein, aber dennoh wurde da mal einfach ein Auge zugedrückt……….

  2. Ich finde es einfach abscheulich…..
    der ganze Laden mitsamt seinem TOLLEN Freigehege sollte man schließen…
    Futterautomaten die, für Kinder und Erwachsene, kleine Boxen mit Popcorn für einen stattlichen Preis auswerfen…. haben mit wirklich geschockt.
    Und das sich der STOLZE Betreiber dieses Laden auch noch im TV präsentiert, ist die Krönung.
    Nein Danke
    NIE wieder setze ich einen Fuß in diesen Laden.

  3. natürlich ist es eine sache des inhabers für gerechtes arbeitsklima und unterbringung seiner “ware” zu sorgen … ABER … wenn nicht 95% der menschheit dumme menschen wären, und auch nicht dort ihr vieles hartz 4 geld hinbringen würden (bei den intelligenten reichen menschen ist es wohl eher die “ist mit scheissegal” einstellung), hätte der laden schon längst wieder dicht gemacht …

  4. Hallo,
    ich finde auch, dass Tiere nicht wie herkömmliche “Ware” im Laden verkauft werden sollten. Schon alleine aus ethischer Sicht. Es handelt sich um Lebewesen und nicht um Produkte.
    Liebe Grüße, Lisa

  5. Ich finde es schrecklich, wie es in dem Tierladen zugeht. Bei uns (Niederösterreich) gibt es im Laden nur Fische, Vögel, Hasen und dergleichen und in den großen Hunde und Katzen. Von zB Affen hätte ich noch nie etwas gehört.
    Mir tun diese Tiere auch bei uns immer so leid… 😢

    LG Melissa

  6. Ich bin seit.mehr als 20 Jahren im Tierschutz aktiv, hab auch garantiert Fehler in der Zeit gemacht, aber das ein Vet-amt diesen Laden überhaupt bestätigt ist für mich ein Schlag ins Gesicht aller seriösen Tierschützer . Hier geht’s nur um Profit und niemals um das Wohl der Tiere. Wer kontrolliert eigentlich die Vet Ämter????

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